Ursprünglich war für den Club 2 vom 11. März 2009 das Thema "Spitalsmisere - Enthüllung oder Übertreibung?" geplant - aus aktuellem Anlass wurde es jedoch geändert in: "Was treibt Jugendliche in den Todesrausch?". Bei Rudolf Nagiller zu Gast waren

Was treibt Jugendliche in den Todesrausch?

Josef Peinhopf, ein steirischer Beratungslehrer für verhaltensauffällige Jugendliche, hatte bereits selbst einmal mit einem Jugendlichen zu tun, der Gedichte schrieb, die von "starken Abschiedsphantasien", aber auch von starkem Hass auf die Umwelt geprägt waren. Dank intensiver Betreuung konnte ein Unglück jedoch abgewendet werden. Der Psychiater Ernst Berger nannte dies einen "musterhaften Verlauf", weil in diesem Fall glücklicherweise offenbar die Ressourcen vorhanden waren. Allerdings glaubt Berger nicht, dass selbst die beste Gewaltprävention so "eklatante Einzelfälle" mit Sicherheit verhindern könnten.

Was treibt Jugendliche in den Todesrausch?

Udo Jesionek, Ex-Präsident des einstigen Jugendgerichtshofs, sprach sich für "ganz restriktive Waffenverbote" aus, da potenzielle Amokläufer ohne Schusswaffen schlicht nicht viel anstellen könnten. Er war ganz erstaunt, erzählte er aus seiner Zeit als Richter, "wie viele Leute mit Waffen rumrennen".

"Wie wird man zum Amokläufer?", stellte Gastgeber Rudolf Nagiller schließlich die entscheidende Frage. Der Psychiater Ernst Berger meint, dass die oberflächliche Unauffälligkeit der Täter nichts aussage, allerdings sei häufig eine Zurückgezogenheit zu beobachten. So zeigte sich etwa, dass sich viele Amokläufer bevorzugt hinter dem Computer verkrochen hätten. "Das machen aber Viele", schaltete sich Nagiller ein. Ja eben, das mache die Sache ja so schwer, konterte Ernst Berger. Josef Peinhopf wiederum erzählte, dass er sich weniger um Kinder sorgen mache, die ihre Wut ausdrücken können.

Brigitte Lueger-Schuster gab zu bedenken, dass man nicht wisse, was in den Tätern "brodelt". Sie glaubt, dass es sehr viele wütende Jugendliche in Österreich gebe. Dies sei "ein Altersphänomen bei Burschen - leider!" Als Beispiel nannte sie die Tatsache, dass der Amokläufer von Baden-Württemberg weder aus einem schlechten Milieu gekommen sei noch wirtschaftliche Probleme oder dergleichen hatte. Laut dem Sozialpädagogen Richard Kirsch spielen Ohnmachtserfahrungen oft eine zentrale Rolle. Fehlendes Selbstwertgefühl werde dabei mit Gewalthandlungen kompensiert. Trotzdem erklärt dies Amokläufe nur mangelhaft, so Kirsch. Cobra-Kommandant Bernhard Treibenreif hielt fest, dass es "bei Amokläufen eine hohe Planungskomponente" gebe.

Was treibt Jugendliche in den Todesrausch?
Josef Peinhopf berichtete wiederum, dass es bei fast allen Amokläufen kurz vor der Tat zu einem Verlust der letzten tragfähigen Bindung zu einem anderen Menschen kam. Zudem würden nahezu 100 Prozent der Rekonstruktionen zeigen, dass es schon zuvor Hinweise auf die Tat gab, diese jedoch nicht erkannt oder verstanden wurden. Ernst Berger wies jedoch darauf hin, dass man im Nachhinein immer schlauer wäre.

Dass Amokläufe symptomatisch für irgendwelche Entwicklungen der westlichen Gesellschaft wären, meinte in der Runde jedoch niemand. Derartige Massacker habe es immer schon gegeben, und zwar in den unterschiedlichsten Kulturen. So kommt das Wort "Amok" selbst aus dem Malaiischen und bedeutet so viel wie "Wut".

Diesen Club online ansehen (Seite 2) >>>

Seiten: 1 2