Im Club 2 vom 13.01.2010 zum Thema "Angst vor Kriminalität - müssen wir uns alle bewaffnen?" diskutierten bei Rudolf Nagiller:

  • Harald Serafin, Intendant Seefestspiele Mörbisch, Einbruchsopfer
  • Georg Zakrajsek, Generalsekretär der Interessengemeinschaft Liberales Waffenrecht
  • Brita Krucsay, Institut für Rechts-und Kriminalsoziologie
  • Inge Schuster, Mitglied proNachbar & Opfer eines Hauseinbruchs
  • Carmen Schranz, langjährige Waffenbesitzerin
  • Georg Bürstmayr, Rechtsanwalt
  • Christof Hetzmannseder, Leiter Kriminalpolizei Wien

Club2

"Ich weiß, dass Waffen eine bestimmte Faszination haben", erinnerte sich Rechtsanwalt Georg Bürstmayr an seine Kindheit zurück, "trotzdem meine ich, dass Waffen in Privatbesitz weitgehend nichts verloren haben." Anders sieht dies naturgemäß Georg Zakrajsek, Generalsekretär der Interessengemeinschaft Liberales Waffenrecht: "Unser Sicherheitsproblem ist ja nicht die Legalwaffe, sondern die illegale Waffe."

Die langjährige Waffenbesitzerin Carmen Schranz sieht sich sogar ins kriminelle Eck gestellt: "Ich bin nie auf den Gedanken gekommen, Polizei zu spielen. [...] Der Waffenbesitzer ist keine Gefahr für die Öffentlichkeit." Dabei plädierte sie auf ihr "Recht, mich in meinem Privatgemach zu verteidigen, wie ich will." Georg Bürstmayr konterte, dass Waffenbesitzer nicht unbedingt Fremde, sondern vor allem sich selbst und ihre Familie gefährden würden: "Es macht einen Unterschied, ob ich ein Sicherheitsprofi bin", oder "ob ich ansonsten keine Praxis damit habe".

Harald Serafin, der selbst einmal Opfer eines Einbruchs geworden war, würde zwar selbst keine Waffe haben wollen (weil er ein "Kriegskind" sei), kann sich aber offenbar mit dem Gedanken an ein liberales Waffenrecht anfreunden: "Haben sie jemals davon gehört, dass ein Österreicher irgendwo herumschießt?" Auch Inge Schuster, Mitglied der Neighbourwatch-Vereinigung "proNachbar", würde nicht unbedingt eine Schusswaffe haben wollen. Einerseits, weil sie Hemmungen hätte, auf Menschen zu zielen, und andererseits, weil bei Einbrüchen ohnehin alles viel zu schnell von statten ginge, sodass man keine Zeit hätte, seine Waffe schussbereit zu machen.

Kein Einbrecher habe das Bedürfnis, mit dem Bewohner eines Hauses oder einer Wohnung konfrontiert zu werden, erklärte der Wiener Kripo-Chef Christof Hetzmannseder. In 99 Prozent aller Fälle sei es daher erfolgreich, wenn man sich einfach bloß "kooperativ" zeige. Soll heißen: Merken Einbrecher, dass die Bewohner auf sie aufmerksam geworden sind, verschwinden sie von selbst. In den seltensten Fällen könne eine Waffe Schutz bieten, so Hetzmannseder, auch wenn sie subjektiv ein Gefühl der Sicherheit gibt.

Georg Zakrajsek sieht hingegen sogar einen Zusammenhang zwischen strengerer Waffengesetzgebung und mehr kriminalität, "das ist nicht abzuleugnen". Seine These: Wenn Menschen mit krimineller Energie mit Gegenwehr rechnen müssen, werden sie von Kriminalität ablassen oder sich auf andere Bereiche konzentrieren. Selbst wenn 50 Prozent der Einbrecher durch ein liberales Waffenrecht abgeschreckt werden, sinnierte Georg Bürstmayr hypothetisch, dann hieß das für die anderen 50 Prozent, dass sie sich bewaffnen. Die Gefahr würde also noch erheblich steigen.

Darüber diskutiert wurde natürlich auch auf Twitter: "Einbrecher werden von den Anti-Waffen Gästen verharmlost. Der fast schon nette, kooperative Einbrecher, ohne Gewalt... sehr eigenartig", fand etwa @Martin_P. @thebalancebeam hält es hingegen lieber mit chinesischer Philosophie: "'Waffen sind die Werkzeuge der Gewalt; alle Anständigen verabscheuen sie.' (Lao-Tse)". Anderes hegte @patrickminar: "Wenns nicht zynisch wäre, würde ich Bürstmayer wünschen, dass jemand bei ihm einbricht, wenn er und seine Kinder zu hause sind." Und @ClaudiaZettel schrieb: "bei mir wurde vor 2 jahren eingebrochen, selbst im ärgsten schock dachte ich nicht dran, mir ne waffe zuzulegen - aber bitte..."