Anlässlich eines Themenabends diskutierten im Club 2 vom 31.03.2010 bei Rudolf Nagiller zum Thema "Scientology - Religionsgemeinschaft oder gefährliche Sekte?":

  • Angelika Thonauer, Pressesprecherin der "Scientology Kirche Österreich" & "Celebrity Centre Wien"
  • Sabine Weber, Präsidentin der "Scientology Kirche Berlin"
  • Jeannette Schweitzer, Scientology-Aussteigerin
  • Peter Schulte, Religionssoziologe
  • El Awadalla, Autorin
  • Franz Winter, Religionswissenschafter Bundesstelle für Sektenfragen

Vor diesem Club 2 zeigte das Weltjournal die BBC-Doku "Scientology And Me", bei der unter anderem zu sehen war, wie Scientology Druck auf den kritischen Reporter John Sweeny ausübt, bis dieser schließlich die Fassung verliert. Sweeny habe sich mit seinem Wutausbruch selbst diskreditiert, befand Angelika Thonauer, Pressesprecherin der "Scientology Kirche Österreich". Sabine Weber monierte die ihrer Meinung nach verzerrte Darstellung in der Öffentlichkeit; die wahren Tätigkeiten von Scientology - wie etwa gemeinnützige Projekte - würden die Massenmedien nicht interessieren. In eine ähnliche Kerbe schlug auch Peter Schulte: Ausgewogene Berichterstattung würde bedeuten, dass auch Mitglieder auch befragt werden und nicht nur Aussteiger, so der Religionssoziologe.

Scientology - Religionsgemeinschaft oder gefährliche Sekte?

Normale Scientology-Mitglieder werden gar nicht vor die Kamera gelassen, entgegnete die Scientology-Aussteigerin Jeannette Schweitzer. Sabine Weber und Angelika Thonauer seien abgedrillt, warf sie den Scientology-Vertreterinnen vor, "es ist nichts echtes an Ihnen". Scientology mache "überhaupt nichts" für das Gemeinwohl, dies sei bloß "Teil der Öffentlichkeitsarbeit". Selbst "kritische Gedanken" müssten beim "Ethik-Officer" gemeldet werden, schilderte sie ihre Erfahrungen: "Es ist eine totale Unterwerfung."

El Awadalla wurde zur Scientology-Kritikern, weil sie viele Leute kenne, die Mitglied gewesen wären, wie sie erzählte. Sie wollte wissen, was die Menschen dabei antreibt. Ihre Beobachtung: Die Leute würden "verdreht werden" und ständen unter "absolutistischen Einflüssen". Die Geschichten wiederholten sich "derart stereotyp"; etwa indem keine Sozialkontakte "nach außen" mehr bestünden. So kenne sie Fälle, bei der der Mutter das Erbe abgeluchst wurde, um die teuren Kurse bezahlen zu können. Naturgemäß war daraufhin niemand mehr da, zu dem sie gehen hätten können.

Scientology - Religionsgemeinschaft oder gefährliche Sekte?

Scientology sei etwa in Spanien, Portugal, Schweden und Ungarn eine Religion, argumentierte Angelika Thonauer. Laut Scientology-Gründer Hubbard solle man Leute "schnell gehen" lassen, wenn sie gehen wollen. Was sie aber schon machen würden sei, dass sie nachher anrufen und fragen würden: "Was ist das Problem?" "Das machen Sie 30/40 Mal am Tag", warf Jeannette Schweitzer vor.

Scientology werde legistisch in verschiedenen Ländern unterschiedlich wahrgenommen, klärte Franz Winter von der Bundesstelle für Sektenfragen auf, "jedes Land hat eine unterschiedliche religionsrechtliche Situation". In Österreich sei Scientology bloß ein Verein, allerdings gebe es kein "Copyright" auf den Kirchenbegriff.